."Königlich-Preußische Optische Telegraphie"


 

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Euer Wilfried

 

 

Franz August O'Etzel: seit 1803 Wegbereiter zur Völkerschlacht bei Leipzig anno 1813! 

Wer weiß schon um die Verdienste von Telegraphen-Direktor O'Etzel? Vermutlich nur ganz Wenige! Wer weiß schon um seine familieren Bande, seine politische Gesinnung, seinen Freundeskreis, seine Einstellung zum "Vormärz"?  

Nachhilfe zur Apotheker-Ausbildung von O’Etzel

[Apotheker zu sein bedeutete zu Anfang des 19. Jhds. nicht das Gleiche wie heute. Er war ein Chemikant, der sich auf flüssige, gasförmige und feste Elemente verstand.]

Durch seine geologischen Studienreisen,  die er oft gemeinsamen mit Alexander von Humboldt durchführte, war in ihm das Interesse für den Bergbau gewachsen. Und so wählte O’Etzel das mit dem Hüttenwesen verwandte Studium der Chemie, und absolvierte eine 3-jährige Apotheker-Lehre, während welcher er, wegen seines regen Interesses halber hauptsächlich im Laboratorium beschäftigt wurde, ging nach dem Abschluss mit der Note "Vorzüglich" von Potsdam nach Berlin und ließ sich als Berg-Eleve einschreiben und studierte daselbst bis zum Frühjahr 1803.

Nach kurzem Besuch der Universität Wittenberg 1806 promovierte er zum Doktor der Philosophie.

Mit diesem akademischen Grad kehrte er nach Berlin zurück und wurde durch die Vermittlung des Ober-Bergrats Rosenstiel – der bei einer Anwesenheit in Paris seine nähere Bekanntschaft gemacht hatte und ihm ein Gönner geworden war –, zunächst als Chemiker in der Porzellanherstellung bei der Königlichen Porzellan-Fabrik angestellt. 

Zu dieser Zeit galt die Porzellanherstellung als Staatsgeheimnis.

Quelle: Selbstbiographie von O‘Etzel 

 

Diese  Seiten  sind  dem  Andenken an  das Technische  Denkmal

"Königlich-Preußische Optische Telegraphenlinie",

ihrem Verlauf durch unser Gebiet, der Station Nr. 23 hier in Lewe auf dem Stobenberg und den anderen Stationen gewidmet.  

 

Seit Beginn und Auflösung der Linie sind vergangen:

 

  •  1. Okt. 1832 - 1. Okt. 2019 = 187 Jahre  14  Stationen

 

  •  1. Okt. 1833 - 1. Okt. 2019 = 186 Jahre  60  Stationen 


  •  1. Apr. 1833 - 1. Apr. 2019 = 186 Jahre "Berliner Zeit"


  •  1. Apr. 1893 - 1. Apr. 2019 = 126 Jahre "MEZ"

 

  •  1. Okt. 1834 - 1. Okt. 2019 = 185 Jahre  61  Stationen

 

  •   Im Jahr 1843 - Station 24a = 176 Jahre  62  Stationen

 

  •   30. Sept. 1849 - 30. Sept. 2019 = 170 Jahre seit Ende 

        

  •   Ab 1850 - Versteigerungen auf Abbruch = 169 Jahre

 

 

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um mehr darüber zu erfahren!

 

Das Königreich Preußen errichtete in den Jahren 1832/33 eine aus 60 Stationen bestehende Telegraphen-Linie von Berlin über Köln nach Thal-Ehrenbreitstein. 1834 kam die Nr. 61 auf Schloss Koblenz und 1843 endlich mit der Nr. 24a in Altgandersheim auf dem Heber als 62. Station hinzu.

 

Es wurden folgende schon bestehende Gebäude genutzt:

 

1 Sternwarte - Station Nr.        1

1 Wohnhaus - Leipziger Strasse, Eigentum von O'Etzel (zwischen 1 und 2)

3 Garnisonkirchen -                 2, 14 und 51

2 Schlosstürme -                   16 und 61

2 Warten / Wehrtürme -         18 und 60

 

Die Stationen 17, 19 - 27 wurden nachweislich als Fachwerkbau neu errichtet. Die Stationen 24a, 27 und 28 waren zur späteren Nutzung als Forsthäuser vorgesehen. Die Herzoglich-Braunschweigische Kammer der Jagden und Forsten legte jedoch keinen Wert auf das Gebäude der Station 24a, das wohl die gleiche Bauform wie die Nr. 28 besaß. Amtszimmermeister Schumann aus Gandersheim kaufte es auf und brach es ab. Wir wissen noch nicht, wo es bei einem Neubau wieder verwendet oder im ursprünglichen Zustand erneut an anderer Stelle aufgebaut wurde. Eigenartigerweise hat ein Advokat Bertram aus Seesen die Kaufgelder bezahlt. Hier gibt es noch keine Spur.

Elektromagnetische Telegraphie


Ein elektrisches Telegraphennetz übernahm erst ab 1848 die Nachrichten-Übermittlung. Es wurde ständig erweitert. Ab dem Frühjahr 1849 wurde die Optische Telegraphenlinie bis auf die Verbindung Köln - Koblenz aufgelöst und auch diese 1852 ganz aufgegeben.


Aus einem Schriftwechsel O'Etzels mit einem Mechaniker habe ich erfahren, dass ein von O'Etzel entwickelter fertiger galvano-elektrischer Telegraph schon lange vor 1840 existierte.


Preußen wehrte sich gegen dieses neue System über Jahre hinweg und so suchte er die Möglichkeit eines Funktionstests in einem anderen Gebiet. Er meinte es in Hamburg gefunden zu haben. Doch es kam anders.


Februar 1843:

"Es wird die erste galvanische Telegrafenlinie ,,an der Rheinischen Eisenbahn bey der Aachener geneigten Ebene" ausgeführt und die Leitung frei durch die Luft verlegt. Es werden Wheatstonesche Zeichengeber benutzt." 


So geht es weiter aus seinen Briefen hervor:

An der Ronheider Rampe gab es den ersten elektromagnetischen Telegraphen für Eisenbahnzwecke in Deutschland.


Am 13. Oktober 1843 wurde die Strecke in Betrieb genommen. Da die damaligen Dampflokomotiven als nicht ausreichend leistungsfähig eingeschätzt wurden, erhielt die Ronheider Rampe zur Überwindung der insgesamt 55 m Höhenunterschied einen Seilzugbetrieb mit stationärer Dampfmaschine, vergleichbar mit der wenige Jahre zuvor eröffneten Steilrampe Erkrath–Hochdahl.


Die Dampfmaschine wurde im Bahnhof Ronheide, am oberen Ende der insgesamt 2 km langen und geraden Rampenstrecke errichtet. Im Maschinenhaus wurde eine 200 PS starke Dampfmaschine installiert, zudem die Spannvorrichtung für das verwendete Endlosseil. An beiden Rampenenden befanden sich Umlenkrollen. Die Züge wurden ohne Lokomotiven befördert, stattdessen wurden schwere, sechsrädrige sogenannte Bremsschlitten angekuppelt, die wiederum mittels Zangen in das in Gleismitte auf insgesamt 420 Rollen laufende Seil eingeklammert wurden. Bei Talfahrt dienten die Bremswagen ohne Nutzung des Seilzuges zur Kontrolle der Fahrtgeschwindigkeit. Die Verständigung zwischen Berg- und Talstation erfolgte durch den ersten bei der Eisenbahn verwendeten elektromagnetischen Telegrafen.[1]

Verkauf auf Abbruch

Im Sommer 1849 wurden die Stationen auf ihren Verkaufswert taxiert und sowohl die Gebäude als auch die Telegraphen-Maschinen und Utensilien in einem öffentlich anberaumten Versteigerungs-Termin ab Januar 1850 meistbietend verkauft.

Die Linie war über die Stationen gemessen ~ 588 km lang. Die Abstände zwischen den Stationen hatten kein festes Maß und variierten zwischen 6 und 22 km. Sie bestanden aus einem Wohnhaus und daran angebauten Turm, aus dem ein Holzmast mit 6 Indikatoren emporragte. Sie waren paarweise in 3 Ebenen angebracht. Mit ihnen, sie wurden auch Flügel  genannt, waren 4095 verschie-dene Ziffern/Zeichen einstellbar. Damit ließ sich ein, auch für die allgemeinen Zwecke, zusammen gestelltes Vokabular, das sich in besonderen Code-Büchern in Ziffern umgesetzt befand, „drahtlos Senden".

 

Gesendet wurden Staatsdepeschen, deren Inhalte die Telegraphisten auf den Stationen nicht kannten. Es wurden aber auch Nachrichten auf den Telegraphen-Stationen chiffriert und gesendet, um zu alarmieren, Hilfe anzufordern oder um etwas mitzuteilen. Zum Beispiel bei Landfriedensbruch, revolutionären Unruhen, technischen Störungen, Krankheit, usw.. Zu diesem Zweck lag für die interne Verständigung auf jeder Station ein Wörterbuch-Exemplar bereit:   DAS  

Wörterbuch der Classe 5.2


Dieses Wörterbuch mit einer gewünschten Stationsnummer kann gegen eine Spende als Neudruck in Fraktur-Schrift bestellt werden. Ebenso die Instruction I und II. Die Kopien aus dem Postmuseum Frankfurt wurden von mir abgeschrieben, gesetzt und gedruckt.

 

Ein Beispiel für eine solche interne Kommunikation:

... so stellte Ober-Telegraphist Reder auf Station Nr. 23 in Lewe am 3. Nov. 1833 noch schnell die Nachricht mit den Ziffern am Telegraphen, bevor er Tür und Tor offen lassend zur Brandstelle nach Lewe hinunter eilte und dort kurz nach seinem Eintreffen an einem „Schlagfluß“ verstarb.

 

 

Darüber berichtete ein Zeitungsartikel aus Berlin: 

„Hannover 8. Novbr.  

Durch eine am 3ten d.[es] M[onats]. Nachmittags bei sehr heftigem Wind zu Lewe, Amts Liebenburg, ausgebrochene Feuersbrunst, sind 10 Wohnhäuser und mehrere Nebengebäude in Asche gelegt worden. Dabei ist der Königl. Preußische Ober-Telegraphist,  Lieutenant[2] Reder, welcher vom nahen Stofenberge, wo der Telegraph steht, heruntergeeilt war, um Hilfe zu leisten, unglücklicherweise ums Leben gekommen.“[3] 

 

Diese Telegraphen waren als reine militärische Anlagen eingerichtet und dienten nur Staatszwecken. Versuche der freien Wirtschaft und der Banken ebenfalls Nachrichten senden zu wollen, scheiterten am Veto des Kriegs-Ministeriums.

 

Das System der Optischen Telegraphie war der Beginn einer rasanten Entwicklung auf dem Gebiet der Telekommunikation und somit der Vorläufer der modernen Elektronischen-Kommunikation und damit auch des Internet. Die elektrische Telegraphie erlebte den größten Sprung ihrer Entwicklung, nach dem für die Öffentlichkeit das Versenden von Depeschen jeglicher Art zugelassen worden war. 

 

 

[1]  Hans Schweers, Henning Wall: "Eisenbahnen rund um Aachen". 150 Jahre  internationale Strecke Köln - Aachen - Antwerpen. Schweers + Wall, Aachen 1993

[2]  falscher Titel angegeben, er war Oberfeuerwerker 

[3]  Artikel aus "Königlich-Preußische  Staats-Zeitung" in Berlin