"Königlich-Preußische Optische Telegraphie"


 

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Gut Sicht! 

 

Euer Wilfried

 

 

Franz August O'Etzel: seit 1803 Wegbereiter zur Völkerschlacht bei Leipzig anno 1813! 

Wer weiß schon um die Verdienste von Telegraphen-Direktor O'Etzel? Vermutlich ganz wenige! Wer weiß schon um seine familieren Bande, seine politische Gesinnung, seinen Freundeskreis, seine Einstellung zum "Vormärz"? 

 

Diese  Seiten  sind  dem  Andenken an  das Technische  Denkmal

"Königlich-Preußische Optische Telegraphenlinie",

ihrem Verlauf durch unser Gebiet, der Station Nr. 23 hier in Lewe auf dem Stobenberg und anderen Stationen gewidmet.  

 

Seit Beginn und Auflösung der Linie sind vergangen:

 

  •  1. Okt. 1832 - 1. Okt. 2017 = 185 Jahre  14  Stationen

 

  •   1. Okt. 1833 - 1. Okt. 2017 = 184 Jahre  60  Stationen 


  •   1. Apr. 1833 - 1. Apr. 2017 = 184 Jahre "Berliner Zeit"


  •   1. Apr. 1893 - 1. Apr. 2017 = 124 Jahre "MEZ"

 

  •   1. Okt. 1834 - 1. Okt. 2017 = 183 Jahre  61  Stationen

 

  •    Im Jahr 1843 - Station 24a = 174 Jahre  62  Stationen

 

  •    30. Sept. 1849 - 30. Sept. 2017 = 168 Jahre seit Ende 

        

  •    Ab 1850 - Versteigerungen auf Abbruch = 167 Jahre

 

 

Seien Sie herzlich Willkommen, 

um mehr darüber zu erfahren!

 

Im Königreich Preußen errichtete man in den Jahren 1832/33 eine aus 60 Stationen bestehende Telegraphen-Linie von Berlin über Köln nach Thal-Ehrenbreitstein. 1834 kam die Station Nr. 61 auf Schloß Koblenz und 1843 endlich mit der Nr. 24a der Standort auf dem Heber in Altgandersheim als 62. Station hinzu.

 

Es wurden folgende schon bestehende Gebäude genutzt:

 

1 Sternwarte - Station Nr.        1

1 Wohnhaus - Leipziger Strasse, Eigentum von O'Etzel (zwischen 1 und 2)

3 Garnisonskirchen -                2, 14 und 51

2 Schlosstürme -                     16 und 61

2 Warten / Wehrtürme -           18 und 60

 

Die Stationen 17, 19 - 27 wurden nachweislich in Fachwerk-bauweise neu errichtet. Die Stationen 24a, 27 und 28 waren zur späteren Nutzung als Forsthäuser vorgesehen. Die Herzoglich-Braunschweigische Kammer der Jagden und Forsten legte jedoch keinen Wert auf das Gebäude der Station 24a, das die gleiche Bauform wie das der Nr. 28 besaß. Amtszimmermeister Schumann aus Gandersheim kaufte es auf und brach es ab. Wir wissen noch nicht, wo es bei einem Neubau wieder verwendet oder im ursprünglichen Zustand erneut an anderer Stelle aufgebaut wurde. Eigenartigerweise hat ein Advokat Bertram die Kaufgelder bezahlt. Auch hier gibt es noch keine Spur.

 

Ein elektrisches Telegraphennetz übernahm erst ab 1848 die Nachrichten-Übermittlung. Es wurde ständig erweitert. Ab dem Frühjahr 1849 wurde die Optische Telegraphenlinie bis auf die Verbindung Köln - Koblenz aufgelöst und auch diese 1852 ganz aufgegeben.


Aus einem Schriftenwechsel O'Etzels mit einem Mechaniker habe ich erfahren, dass ein von O'Etzel entwickelter fertiger galvano-elektrischer Telegraph schon lange vor 1840 existierte.


Preußen wehrte sich gegen dieses neue System über Jahre hinweg und so suchte er die Möglichkeit eines Funktionstests in einem anderen Gebiet. Er meinte es in Hamburg gefunden zu haben. Doch es kam anders.


Februar 1843:

"Es wird die erste galvanische Telegrafenlinie ,,an der Rheinischen Eisenbahn bey der Aachener geneigten Ebene" ausgeführt und die Leitung frei durch die Luft verlegt. Es werden Wheatstonesche Zeichengeber benutzt." 


So geht es aus seinen Briefen hervor.

An der Ronheider Rampe gab es den ersten elektromagnetischen Telegrafen für Eisenbahnzwecke in Deutschland.


Am 13. Oktober 1843 wurde die Strecke in Betrieb genommen. Da die damaligen Dampflokomotiven als nicht ausreichend leistungsfähig eingeschätzt wurden, erhielt die Ronheider Rampe zur Überwindung der insgesamt 55 m Höhenunterschied einen Seilzugbetrieb mit stationärer Dampfmaschine, vergleichbar mit der wenige Jahre zuvor eröffneten Steilrampe Erkrath–Hochdahl.


Die Dampfmaschine wurde im Bahnhof Ronheide, am oberen Ende der insgesamt 2 km langen und geraden Rampenstrecke errichtet. Im Maschinenhaus wurde eine 200 PS starke Dampfmaschine installiert, zudem die Spannvorrichtung für das verwendete Endlosseil. An beiden Rampenenden befanden sich Umlenkrollen. Die Züge wurden ohne Lokomotiven befördert, stattdessen wurden schwere, sechsrädrige sogenannte Bremsschlitten angekuppelt, die wiederum mittels Zangen in das in Gleismitte auf insgesamt 420 Rollen laufende Seil eingeklammert wurden. Bei Talfahrt dienten die Bremswagen ohne Nutzung des Seilzuges zur Kontrolle der Fahrtgeschwindigkeit. Die Verständigung zwischen Berg- und Talstation erfolgte durch den ersten bei der Eisenbahn verwendeten elektromagnetischen Telegrafen.[3]


Im Sommer 1849 wurden die Stationen auf ihren Verkaufswert taxiert und sowohl die Gebäude als auch die Telegraphen-Maschinen und Utensilien in einem öffentlich anberaumten Versteigerungs-Termin ab Januar 1850 meistbietend verkauft.

 

Die Linie war über die Stationen gemessen ~ 588 km lang. Die Abstände zwischen den Stationen hatten kein festes Maß und variierten zwischen 6 und 22 km. Sie bestanden aus einem Wohnhaus und daran angebauten Turm, aus dem ein Holzmast mit 6 Indikatoren emporragte. Sie waren paarweise in 3 Ebenen angebracht. Mit ihnen, sie wurden auch Flügel  genannt, waren 4095 verschiedene Ziffern/Zeichen einstellbar. Damit ließ sich ein in besonderen Code-Büchern in Ziffern chiffriert zusammen gestelltes Vokabular drahtlos "Senden".

 

Gesendet wurden Staatsdepeschen, deren Inhalte die Tele- graphisten auf den Stationen nicht kannten. Es wurden aber auch Nachrichten auf den Telegraphen-Stationen chiffriert und gesendet, um zu alarmieren, Hilfe anzufordern oder um etwas mitzuteilen. Zum Beispiel bei Landfriedensbruch, revolutionären Unruhen, technischen Störungen, Krankheit, usw.. Zu diesem Zweck lag für die interne Verständigung auf jeder Station ein Wörterbuch-Exemplar bereit:   DAS  

Wörterbuch der Classe 5.2


1  

Dieses Wörterbuch mit der von Ihnen gewüschten Stationsnummer kann bei mir gegen eine Spende als Neudruck sowohl in Fraktur- als auch in Arial-Schrift bestellt werden. Ebenso die Instruction I und II.

 

Ein Beispiel für eine solche interne Kommunikation:

 

... so stellte Ober-Telegraphist Reder auf Station Nr. 23 in Lewe am 3. Nov. 1833 noch schnell die Nachricht mit den Ziffern:

        A  B  C                              

         9 7 0     /  2 5 8 /  6 1 0  /               9 2 9

Es brennt in /   Le    /    we   / Meldung an Ortsbehörde (Schladen)

 

bevor er Tür und Tor offen lassend zur Brandstelle nach Lewe eilte und unmittelbar nach seinem Eintreffen dort an einem "Schlagfluß" verstarb.  

 

Darüber berichtete ein Zeitungsartikel aus Berlin: 

Hannover 8. Novbr.  

Durch eine am 3ten d.(es) M(onats). Nachmittags bei sehr heftigem Wind zu Lewe, Amts Liebenburg, ausgebrochene Feuersbrunst, sind 10 Wohnhäuser und mehrere Nebengebäude in Asche gelegt worden. Dabei ist der Königl. Preußische Ober-Telegraphist,  Lieutenant [1] Reder, welcher vom nahen Stofenberge, wo der Telegraph steht, heruntergeeilt war, um Hilfe zu leisten, unglücklicherweise ums Leben gekommen.[2] 

 

Diese Telegraphen waren als reine militärische Anlagen eingerichtet und dienten nur Staatszwecken. Versuche der freien Wirtschaft und der Banken ebenfalls Nachrichten senden zu wollen, scheiterten am Veto des Kriegs-Ministeriums.

 

Das System der Optischen Telegraphie war der Beginn einer rasanten Entwicklung auf dem Gebiet der Telekommunikation und somit der Vorläufer der modernen Elektronischen-Kommunikation und damit auch des Internet. Die elektrische Telegraphie erlebte den größten Sprung ihrer Entwicklung, nach dem für die Öffent-lichkeit das Versenden von Depeschen jeglicher Art zugelassen worden war.  

 

 

 

[1]  falscher Titel, er war Oberfeuerwerker 

[2]  Artikel aus "Königlich-Preußische  Staats-Zeitung" in Berlin 

[3[  Hans Schweers, Henning Wall: "Eisenbahnen rund um Aachen". 150 Jahre   

      internationale Strecke Köln - Aachen - Antwerpen, Schweers + Wall, Aachen

      1993